- Opernwerkstatt am Rhein

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Wir über uns
 

Die Philosophie der Opernwerkstatt am Rhein

 
 


Häufig werden wir gefragt, warum wir das tun, was wir tun.
Vielen Menschen ist nicht nachvollziehbar, wieso wir mit so viel Begeisterung  eine Sache verfolgen, die so wenig finanziellen Profit abwirft. Hier ein paar Antworten:

 
 

Oper darf nicht langweilig sein
Bei all unseren Stücken geht es darum, die Zuschauer emotional zu berühren, sie durch Musik und Bilder in Stimmungen zu versetzen und sie mit uns Schönheit, Spannung, Dramatik, Melancholie und Freude erleben zu lassen. Das schlimmste, was Oper tun kann, ist das Publikum zu langweilen und leider werden in vielen Theatern der Tat einfallslose, ermüdende Opernproduktionen dargeboten. Dadurch wird diese Kunstsparte in ein schlechtes Licht gerückt und immer mehr Stimmen laut, dass Oper überflüssig und nicht mehr zeitgemäß ist. Mit jeder einzelnen unserer Produktionen versuchen wir den Gegenbeweis anzutreten.


 
 

Der Oper wurde der Krieg erklärt: Wir lassen uns das nicht gefallen
Immer mehr Städte und Kommunen kürzen Ihre Haushalte in der Art, dass sich die Produktionen finanziell selbst tragen müssen oder stellen Ihre Theater zur Verfügung indem sie Ensembles eine 70:30-Regelung anbieten, bei der die Einnahmen entsprechend geteilt werden.
Diese Regelungen sind für Marionettentheater, Schauspiel-produktionen und überschaubare Musicalproduktionen reizvoll. Für die Oper bedeutet dies ein Todesstoß. Bei einer Produktion wie z.B. "Die Kleine Zauberflöte" bezahlt man ein Ensemble von 10 Personen (1500 €) und hat inkl. Transportkosten für Bühnenbild und Ensemble und einer Umlage von den Entstehungskosten Grundkosten in Höhe von ca 2500 €. Dieser Betrag lässt sich nicht auf die Eintrittskarten von Kindern umlegen. Bei großen Produktionen mit Orchester ist es durch den großen Aufwand finanziell gesehen nicht anders.  
Oper ist unweigerlich ohne Subventionen nicht möglich. Die Kulturpolitik vieler Regionen aber führen dazu, dass Opernproduktionen nicht mehr eingekauft werden können.  Dies führt dazu, dass Kindern ein wichtiger Bestandteil der Kultur vorenthalten wird. Dies ist ein Zustand, der nicht hinnehmbar ist und wir schämen uns für jeden Kulturdezernenten, der diesen Kurs weiter verfolgt oder auch nur hinnimmt.

 
 

Das Bildungsbürgertum stirbt und mit ihm die Oper
Oper ist sowohl von der Musik her als auch von den Inhalten ein wichtiger Teil unserer Kultur, unseres Allgemeinwissens und somit unserer Bildung. In gewisser Weise ist die Oper ein Museum für Musiktheater und das mit allen Vor- und Nachteilen. Merkwürdiger Weise wird Museen selten ihre Existenzberechtigung abgesprochen. Beim Theatern und Opernhäusern geschieht das hingegen regelmäßig. Das Wort "Bildungsbürger" ist inzwischen negativ behaftet - und das obwohl sich niemand öffentlich für die Förderung der Verblödung unserer Gesellschaft ausspricht. Uns erschrickt es wenn Menschen den Trojanischen Krieg nur durch einen Brat-Pitt-Film kennen, den Unterschied zwischen der Musik von Richard und Johann Strauß unbekannt ist und nicht einmal den Titel einer einzigen Verdioper benennen können. In diese Richtung bewegt sich die Gesellschaft und dem gilt es sich entgegen zu setzen.


 
 

Reproduktion verhindert Kreativität
Unsere Künstler sollen und wollen bewusst Risiken eingehen. Wenn es die Möglichkeit gibt, den sicheren Weg zu gehen oder etwas neues zu wagen, entscheiden wir uns in der Regel für letztere Option. Nur so ist Kunst lebendig und das Spiel interessant. Die Reproduktion von Althergebrachtem ist uninteressant und je mehr Routine in der Darstellung entsteht, desto weniger Kreativität ist auf der Bühne zu sehen. Darum versuchen wir stets, neue Stoffe zu entwickeln oder bekannte Opern zu bearbeiten. Beispielsweise bei der Carmen, hätten wir es nicht interessant gefunden, das Geschehen in ein Großraumbüro zu verlagern. Die Musik jedoch mit Flamenco zu mischen und das Orchester auf die Bühne zu holen, so dass die Musiker in Messerstechereien verwickelt sind und nachts im Liegen ihre Instrumente spielen - da begann die Produktion für uns spannend zu werden...


 
 

Kinderoper ist eine Herzensangelegenheit
Kinderoper ist gerade im Aufwind.  Viele Häuser mussten, um ihre Haushaltsmittel nicht weiter gestrichen zu bekommen, in den letzten Jahren  Theaterpädagogen einstellen. Nun werden als nächster Schritt Programminhalte für die kommenden Generationen gefordert. Unter dem Rechtfertigungsdruck, auch etwas für Kinder zu machen, entstehen so viele neue Kinderopern. Manchmal kommt Gutes dabei heraus, oft werden den Kindern leider aber auch Stücke angeboten, die sich abgesehen vom Titel und der Gesamtlänge nicht von Erwachsenenopern unterscheiden.  Das führt dazu, dass nur Kinder an die Oper heran geführt werden, deren Eltern schon Musikliebhaber sind oder die gesellschaftlich dem Musiktheater eine Relevanz zusprechen. Unser erklärtes Ziel ist es, Kinder auf unterhaltsame Weise an die Oper heran zu führen. Gerade Kinder, die zum aller ersten Mal Musiktheater erleben, sollen eine positive Erfahrung machen. Das ist das Wichtigste. Um die Meinungen unserer jungen Zuschauer einzuholen und unsere Stücke kindgerecht weiter zu entwickeln, stellen sich die Sänger regelmäßig nach den Vorstellungen den Fragen und Kritiken der jungen Zuschauer.


 
 

Die Unterscheidung von E-Musik und U-Musik ist sehr deutsch und sehr dumm
Oper braucht nicht zur Comedy zu verkommen. Aber sie muss sich der Schnelllebigkeit der Gesellschaft und den veränderten Sehgewohnheiten anpassen. Auch musikalisch muss sie sich verändern. Kinder stehen der 12-Ton-Musik aufgeschlossener gegenüber als viele Erwachsene es glauben würden. Das ist für uns jedoch kein Argument. Es ist uns wichtig, dass unsere Kinderstücke eingängige Melodien enthalten, die als Ohrwürmer hängen bleiben. Wenn Kinder uns nach den Vorstellungen fragen, ob sie eine CD von der Musik bekommen können, ist das für uns der Beweis, dass wir etwas richtig gemacht haben. Wenn Menschen behaupten, dass eingängige Melodien und moderne Oper im Widerspruch stehen, können wir nur die Augen verdrehen.


 
 

Lerne von Deinen Schülern
Regelmäßig arbeiten wir mit Jugendlichen in sozialen Brennpunkten, mit Künstlern anderer Sparten und mit Menschen mit Behinderung. Wir tun dies gerne, vermitteln unser Wissen und lernen dabei eine Menge. Andere Sichtweisen helfen uns einen realistischem Blick auf die Zukunft des Musiktheaters zu werfen und den Bezug zur Wirklichkeit nicht zu verlieren.  Unsere "sozialen Projekte" haben für uns künstlerisch gesehen den gleichen Stellenwert wie alle anderen Produktionen.


 
 

Keine Dumpingpreise bei den Künstlergagen
Wir zahlen unseren Künstlern bislang eine Mindestgage von 150 € pro Aufführung. Davon werden wir nicht abrücken. Im Gegenteil: Wir arbeiten daran, diese Gage zu erhöhen. Dieser Betrag mag sich für einige gut anhören. Bei dem Zeitaufwand, der mit dem Tourneebetrieb verbunden ist und mit Einbeziehung der Probenzeit bedeutet das aber de facto, dass jeder Sänger weniger verdient als z.B. Kassierer bei Billigdiscountern. Insofern schämt sich die Opernwerkstatt am Rhein für ihre Gagen. Trotzdem ist das, was wir bezahlen mehr als das, was die meisten anderen unsubventionierten Opernensembles und Off-Theater  ihren Künstlern zahlen. Wir bitten Theater mit Gastspielbetrieb und die Verantwortlichen, die Fördermittel vergeben auf die Höhe der Künstlergagen zu achten, damit der Dumpingpreispolitik vieler Ensembleleiter Einhalt geboten wird.


 
 
 
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